Do 11. Januar 2018 19:30
Fr 12. Januar 2018 19:30
So 14. Januar 2018 18:00
Di 16. Januar 2018 20:00
Mi 17. Januar 2018 19:30

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„Ich komme gleich zurück.“ sagt die Frau, die ihr Fahrrad unabgeschlossen vor dem Büro abstellt, in dem Katja (Diane Krüger) gerade ihren Sohn bei ihrem Mann Nuri (Numan Acar) abgegeben hat. Noch denkt sich Katja nichts dabei, doch als sie am Abend zurückkommt und die Polizeiabsperrung sieht, ist ihr alles klar. Mann und Kind sind bei einem Anschlag getötet worden, doch während für Katja die Täterin feststeht, ermittelt die Polizei zunächst in Richtung Nuri. Denn der war einst Dealer und hat sich erst nach seiner Inhaftierung rehabilitiert.

Bald jedoch findet auch die Polizei die wirklichen Täter, die aus der rechten Ecke stammen und schließlich angeklagt werden. Doch der Prozess erweist sich zum Entsetzen von Katja als weniger eindeutig als gedacht, es gibt ein Alibi und auch das in Katjas Haus Drogen gefunden wurden, erweist sich nun als Problem. Mehr und mehr kommt Katja zu der Erkenntnis, dass sie das Gesetzt in die eigenen Hände nehmen muss, wenn sie Gerechtigkeit bekommen will bzw. das, was sie dafür hält.

Dass die Ereignisse um den Anschlag in der Köln-Kalker Keupstraße dem Deutschtürken Fatih Akin besonders nahe gehen, überrascht nicht. Womit nicht nur der Anschlag selbst gemeint ist (der in der Realität im Gegensatz zum Film keine Todesopfer forderte), sondern die einseitige Ermittlung der Behörden, die die türkischen Opfer als Täter verdächtigten und allzu lange Hinweise auf eine rechtsradikale Täterschaft ignorierten. Ein unerhörter Skandal, der inzwischen Thema von Dokumentarfilmen wie „Der Kuaför aus der Keuptstraße“ oder „6 Jahre, 7 Monate und 16 Tage“ war, nun also als Ausgangspunkt für einen Film dient, der mit offensichtlicher Wut im Bauch gedreht wurde.

So gerne sich das deutsche Kino mit der Vergangenheit beschäftigt, kaum ein Aspekt des Dritten Reichs und inzwischen auch der DDR-Geschichte nicht filmisch behandelt wurde, so rar sind Darstellungen der politischen Gegenwart. Allein schon, dass Fatih Akin für seinen neuen Film „Aus dem Nichts“ als Ausgangspunkt den NSU-Anschlag in der Kölner Keupstraße nimmt, macht seinen Film, der zum Teil von unübersehbarer Wut geprägt ist, bemerkenswert. Für ihre überragende Darstellung der Frau, deren Angehörige Opfer eines Anschlages werden, erhielt Diane Kruger die Goldene Palme der Filmfestspiele 2017 als Beste Darstellerin.


Deutschland 2017, Regie: Fatih Akin, Mit: Diane Krüger, Dennis Moschitto, Ulrich Tukur, Numan Acar, Johannes Krisch, Jessica McIntyre, 106 Minuten, FSK 16