Mo 15. Januar 2018 19:30

Mit nostalgischem Interieur und satten Farben wirken die Filme von Aki Kaurismäki und die skurrilen Typen, die darin walten, wie aus der Zeit gefallen. Mit „Le Havre“ startete der Finne 2011 seine „Hafen-Trilogie“ über das globalisierte Europa, wo er mit der Freundschaft eines Schuhputzers zu einem Flüchtlingsjungen auf die politische Wirklichkeit Bezug nahm.

Seine neue Tragikomödie „Auf der anderen Seite“ knüpft hier an, diesmal kommt der Flüchtling aus Syrien und lernt in Helsinki einen Restaurantbesitzer kennen. Die gesellschaftliche Bestandsaufnahme kombiniert Kaurismäki mit seinem ureigenen lakonischen Tonfall und dem vielfältigen Humor. Auf der 67. Berlinale lief der Film im Wettbewerb und Kaurismäki erhielt völlig berechtigt den Silbernen Bären als Bester Regisseur.

Ein Frachtschiff teilt den Nebel vor Helsinkis Hafen, zwischen Kohlestücken schält sich ein blinder Passagier heraus, es ist der junge Syrer Khaled (Sherwan Haji). Aus seiner Familie lebt nur noch die Schwester, die er während der Flucht quer über den europäischen Kontinent aus den Augen verlor, bevor er zufällig in Finnland landete. Als ihm das Einwanderungsamt das Asyl verweigert, schlägt sich Khaled als Illegaler auf der Straße durch, wo er nach tumben Neonazis und wehrhaften Obdachlosen schließlich den wortkargen Handelsvertreter Wikström (Sakari Kuosmanen) trifft.

Finnland 2017, Regie und Drehbuch: Aki Kaurismäki, mit Kati Outinen, Ville Virtanen, Tommi Korpela, Nuppu Koivu, Sherwan Haji, Sakari Kuosmanen, Jörn Donner, Timo Torikka, 98 Minuten, FSK 6