Mo 13. November 2017 19:30

the_salesman_-_official_trailer_hd

Mit „Nader und Simin – Eine Trennung“ gelang Asghar Farhadi der ganz große Coup: Gold samt zweimal Silber auf der Berlinale, danach obendrein der Oscar. Auch diesmal erweist sich der iranische Regisseur und Autor als grandioser Geschichtenerzähler. Abermals geht es um ein Ehepaar, dem die Harmonie abhanden kommt. Sowie um die Frage von Schuld, Sühne und Vergebung. Mit enormer Eleganz entwickelt sich dieses clever konstruierte Drama, das durch plausible Figuren sowie exzellente Darsteller überzeugt - und dabei spannend wie ein Thriller ausfällt.

„Beginnen Sie mit einem Erdbeben und steigern Sie dann langsam!“ – die alte Hollywood-Weisheit von Filmmogul Samuel Goldwyn beherzigt auch der iranische Meister-Regisseur Asghar Farhadi. Zumindest ein bisschen jedenfalls. Bei ihm droht mitten in der Nacht ein großes Wohnhaus plötzlich einzustürzen. Panisch rennen die Bewohner nach draußen. Einer von ihnen behält im Chaos die Nerven und zeigt sein großes Herz: Er rettet erst den behinderten Nachbarn, bevor er sich selbst in Sicherheit bringt. Welch guter Mensch dieser Emad ist, wird sich noch mehrfach zeigen. Seiner Ehefrau Rana ist er ein fürsorglicher Gatte. Die Schüler mögen ihn als verständnisvollen Lehrer. In der Hobby-Theatergruppe, wo gerade „Tod eines Handlungsreisenden“ geprobt wird, ist Emad gleichermaßen bei allen beliebt. Einer der Mitspieler vermittelt dem obdachlosen Paar spontan eine neue Wohnung. Alles scheint gut. Merkwürdig nur, dass die Vormieterin ihre Habseligkeiten trotz mehrfacher Aufforderung nicht abholt. Zudem wissen die Nachbarn über die einstige Bewohnerin nur wenig Nettes zu berichten, von häufigen Herrenbesuchen wird gemunkelt. Emad und Rana kümmert das zunächst kaum, sie sind mit ihrer Theaterprobe beschäftigt.

Frankreich/ Iran 2016, Regie: Asghar Farhadi, mit Shahab Hosseini, Taraneh Alidoosti, Babak Karimi, Farid Sajjadihosseini, Mina Sadat, 125 Minuten, FSK 12