sieben_minuten_nach_mitternacht_trailer_deutsch_german_2017

Krankheit und Kino, diese Mischung gerät häufig zum Rührstück der sentimentalen Art. Wie die heikle Gratwanderung mit emotionaler Glaubwürdigkeit gelingt, zeigt dieses Drama um einen Teenager, der mit der unheilbaren Krebskrankheit seiner alleinerziehenden Mutter zurecht kommen muss. Basierend auf dem Jugendroman von Patrick Ness, entwickelt der Spanier Juan Antonio Bayona ein ebenso stimmiges wie bildgewaltiges Fantasy-Märchen über die Angst vor dem Tod - und den Mut, damit umzugehen. Leinwand-Ikone Sigourney Weaver gibt die nach außen sehr strenge, tatsächlich jedoch höchst verzweifelte Großmutter, die auch Aliens zur Tränen rühren dürfte. Bewegendes Arthaus-Kino der gefühlsechten Art!

„Man mag nicht, was man nicht kennt!“, erklärt die Mutter ihrem 13-jährigen Sohn Conor, als der wissen will, warum „King Kong“ so brutal von Flugzeugen angegriffen wird. Die an Krebs im Endstadium leidende Frau hat den alten 16-mm Film-Projektor des Opas ausgepackt und den Grusel-Klassiker eingelegt. „Damals war deine Oma noch freundlich“, seufzt sie in einem Nebensatz und gibt damit die Problematik vor. Seit sie schwer an Krebs erkrankt ist, führt die Großmutter ein strenges Regime. Die Sorge um ihre Tochter lässt die Fürsorge für den Enkel schwinden. Sie meint es nur gut, für den introvertierten Conor fehlt ihr freilich die erforderliche Empathie.

Als wären die Belastungen für den Teenager nicht schon groß genug, wird er in der Schule obendrein zum Mobbing-Opfer von Harry und seiner Bande, die ihn regelmäßig verprügeln. Kein Wunder, dass Conor immer häufiger von Albträumen heimgesucht. In einem dieser Träume erscheint ihm ein riesiger Baum, der zum Monster mit glühend roten Augen mutiert. Drei Geschichten will er dem Jungen erzählen, so kündigt er an. Danach soll Conor dann selbst eine vierte Story vortragen.

USA, Spanien 2016, Regie:Juan Antonio Bayona, mit Lewis MacDougall, Sigourney Weaver, Felicity Jones, Toby Kebbell, Ben Moor, 108 Minuten, FSK 12